Erzähltheorie(n)

und

Literaturunterricht.

Verhandlungen eines schwierigen Verhältnisses

 

Digitale Tagung

Veranstalterinnen:

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Institut für Sprache und Literatur

Abteilung Deutsch mit Sprecherziehung

 

 

 

 

 

und

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Germanistisches Institut

Abteilung Literatur- und Mediendidaktik

 

 

 

 

 

 

Konzeption und Organisation:

Dr. Sebastian Bernhardt

Dr. Ina Henke

 

unterstützt mit finanziellen Mitteln der

Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd

sowie

des Germanistischen Instituts der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Virtueller Tagungsraum (Zoom):

Zoom-Meeting beitreten
https://us02web.zoom.us/j/5090119512?pwd=MFJyRkN4TlE5Y0lVMVZ6ai8vZDFoUT09

Meeting-ID: 509 011 9512
Kenncode: 746885

Datenschutzhinweise sind unter folgendem Link beim Punkt 'Datenschutz bei ZOOM' einsehbar: 
https://miz.ph-sg.de/das-miz/services/webkonferenzen-mit-zoom

 

 

Thema der Tagung

 

Der Umgang mit erzählenden Texten und Medien spielt im Deutschunterricht eine zentrale Rolle. Dabei sollen Schüler_innen u.a. lernen, die Darstellungsverfahren erzählender Texte und Medien wahrzunehmen, sie mithilfe eines adäquaten Begriffsinstrumentariums zu beschreiben und schließlich auf ihre ästhetische Wirkung hin zu untersuchen. Dementsprechend wird im Kernlernplan des Landes NRW für das Fach Deutsch als Kompetenzerwartung am Ende der Sekundarstufe I des Gymnasiums bestimmt, dass Schüler_innen in der Lage sein sollen, „erzählende Texte unter Berücksichtigung grundlegender Dimensionen der Handlung (Ort, Zeit, Konflikt, Handlungsschritte) und der erzählerischen Vermittlung (u.a. Erzählerfigur) [zu] untersuchen.“[1] Noch konkreter formuliert es der Bildungsplan Deutsch für das Gymnasium Baden-Württemberg. Hierin heißt es, dass Schüler_innen bis zum Abitur „Fachbegriffe zur formalen Beschreibung von Texten verwenden [können sollen]: […] Autor, Erzähler, Erzählperspektive, Erzählform, Erzählhaltung, Erzählstruktur, innere und äußere Handlung, offener Schluss, Erzählerbericht, Redewiedergabe in direkter, indirekter, erlebter Rede und innerem Monolog […].“[2]  

Trotz dieser relativ genauen Vorgaben eröffnen die in den Lehr- bzw. Bildungsplänen genutzten Formulierungen Raum für weitergehende Fragen hinsichtlich des Verhältnisses von narratologischen Begrifflichkeiten und Konzeptualisierungen, die in der Literatur- und Medienwissenschaft entwickelt werden,[3] auf der einen Seite sowie der Theorie und Praxis des unterrichtlichen Umgangs mit erzählenden Texten und Medien auf der anderen Seite, die u.a. bei der Tagung diskutiert werden sollen:

  • Auf welche narratologischen Fachbegriffe zur Beschreibung erzählender Texte und Medien wird in unterrichtlichen Zusammenhängen, in Lehr- und Lernmitteln für den Unterricht (Schulbüchern, Unterrichtsmaterialien) und in literatur- und mediendidaktischen Entwürfen zum Umgang mit Erzähltexten bzw. ‑medien im Unterricht genau zurückgegriffen?

  • Welchen erzähltheoretischen Modellierungen entstammen diese Begrifflichkeiten und inwiefern werden sie ggf. für die Arbeit mit erzählenden Texten im Deutschunterricht angepasst oder verändert? Entsprechen die im Unterricht genutzten erzähltheoretischen Fachtermini dem aktuellen Stand der literatur- bzw. medienwissenschaftlichen Forschung?

  • Welcher Stellenwert kommt narratologischen Begrifflichkeiten und Konzeptualisierungen in einem kompetenzorientierten Literaturunterricht zu und wie wird mit ihnen gearbeitet? Werden sie zielführend für die Textanalyse und -deutung eingesetzt oder in den Dienst schematisch-formalistischer Textbetrachtungen gestellt? Wie gehen Schüler_innen mit erlernten erzähltheoretischen Begrifflichkeiten und Kategorien um?

  • Zeigen sich Unterschiede mit Blick auf die betrachteten Medien? Spielen erzähltheoretische Kategorien und Begrifflichkeiten in Lehrbuchsequenzen und didaktischen Konzepten zum Umgang mit Film oder Theater im Unterricht beispielsweise eine ebenso große/größere/geringere Rolle wie bzw. als in Lehr-Lern-Arrangements in Schulbüchern und didaktischen Konzepten zum Umgang mit literarischen Erzähltexten?

  • Inwiefern kann die Vermittlung von erzähltheoretischen Kategorien und Begrifflichkeiten einen Beitrag zum literar-/medienästhetischen Lernen bzw. zu Kompetenzsteigerungen im Bereich der Analyse und Interpretation von erzählenden Texten bzw. Medien leisten? Wie sollten narratologische Begrifflichkeiten und Kategorien vermittelt werden, damit ihre Kenntnis das literarische Lernen fördert und nicht stört?[4]

  • Wie kann eine verstärkte Einbindung narratologischer Begrifflichkeiten und Konzepte in den Deutschunterricht theoretisch konzeptualisiert werden? Welche theoretischen Modellierungen zur Integration erzähltheoretischer Phänomene in den Deutschunterricht liegen aktuell vor und wie können diese ggf. weiterentwickelt werden?

  • Welche erzähltechnischen Verfahren nutzen im Deutschunterricht häufig behandelte erzählende Texte und Medien, vor allem solche aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, und welche erzähltheoretischen Zugriffe erweisen sich vor diesem Hintergrund als für die unterrichtliche Auseinandersetzung hiermit besonders geeignet?

Die Tagung stellt ein Kooperationsprojekt der PH Schwäbisch Gmünd und der WWU Münster dar und wird vom 24.-26.03.2022 in digitaler Form stattfinden. 

[1] Kernlehrplan für die Sekundarstufe I Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Deutsch. Hg. vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen 2019, S. 19.

[2] Bildungsplan des Gymnasiums Baden-Württemberg. Deutsch. Hg. vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg 2016, S. 64.

[3] Vgl. z.B. Gérard Genette: Die Erzählung. 3. Auflage. München 1994 oder Franz K. Stanzel: Theorie des Erzählens. 8. Auflage. Göttingen 1979.

[4] Vgl. weiterführend zum Verhältnis von fachlichem Wissen und literarischem Verstehen Irene Pieper/Dorothee Wieser: Fachliches Wissen und literarisches Verstehen. Studien zu einer brisanten Relation. Frankfurt am Main 2012.